Ostbayerischer Jakobsweg - Südvariante

Von Prag zur tschechischen Grenze bei Vseruby/ Eschlkam

Verbindung von Prag mit dem Ostbayerischen Jakobsweg

Prag – Karlstejn – ( Pribram ) – Rozmital - Kasejovice - Nepomuk – Klatovy – Grenzübergang Vseruby/ Eschlkam ( ca. 200 km, 8 – 10 Tage )
 
A. Beschreibung
 
Bei der Streckenfestlegung des neuen Ostbayerischen Jakobsweges von der tschechischen Grenze über Regensburg und Eichstätt nach Donauwörth war es offensichtlich, dass die natürliche Verlängerung dieses Weges nach Nordosten direkt in Richtung Prag wies. Historisch gesehen gab es ohnehin nie Zweifel an den engen und vielfältigen Verbindungen zwischen Prag und Regensburg. Wurde doch Böhmen von Regensburg aus missioniert und kein Geringerer als der Hl. Wolfgang stimmte 973 in seiner Eigenschaft als Bischof von Regensburg der Herauslösung eines eigenen Bistums Prag aus seinem Diözesangebiet zu. Regensburg war zudem mindestens bis zum 14. Jh. die wichtigste Fernhandelsverbindung Böhmens in den Westen. Selbst im Stadtbild gibt es Verwandtschaften: die Karlsbrücke über die Moldau stellt für Prag eine ähnliche städtebauliche und historische Dominante dar, wie es die etwa 200 Jahre ältere Steinerne Brücke über die Donau für Regensburg ist.
Da es in Tschechien offenbar noch nicht möglich ist, inner-tschechische Wanderwege zusätzlich auch mit internationalen Markierungssymbolen zu kennzeichnen, wird die Markierung der Verbindung Prag - Grenzübergang Vseruby/ Eschlkam mit Symbolen des Jakobsweges wohl noch etwas auf sich warten lassen. Um jedoch dieses historisch bedeutsame und wichtige Wegstück für interessierte Jakobspilger unabhängig davon bereits jetzt begehen zu können, haben Santiagopilger aus Regensburg und Tschechien gemeinsam einen Routenvorschlag ausgearbeitet und begangen, der im folgenden als komplettierendes östliches Teilstück der „ Direttissima „ Prag – Regensburg – Augsburg – Bodensee – Maria Einsiedeln „ beschrieben werden soll.
B. Wegfindung und Markierung
 
Das Markierungssystem in Tschechien gehört wohl zum besten, was man in Europa finden kann. Es benützt Querstriche in einer der vier Grundfarben ( rot, grün, blau, gelb ), oben und unten begrenzt durch je einen weißen Strich ( = im Prinzip farbiger Querstrich auf weißem Grund ). Die Markierungen sind meist aufgemalt oder gesprüht und sind erkennbar gut gepflegt.
Die allgemein anerkannten Markierungsregeln bzgl. Häufigkeit und Eindeutigkeit sind sorgfältig eingehalten. Abzweigungen und Richtungsänderungen werden durch Pfeile in den jeweiligen Farben dargestellt, in schwierigeren Fällen sogar vorangekündigt. Die Markierungen beginnen häufig an Bushaltestellen und sind ( offenbar mit Ausnahme von Prag und Brünn ) auch durch die Städte und Ortschaften ohne Unterbrechung hindurch geführt. Etwa im Abstand von 5 km informieren Hinweisschilder über die Distanzen zum nächsten Nah- und Fernziel.
Anscheinend werden die Markierungen des Wanderwegenetzes noch als Gemeingut anerkannt und von Verwaltung, Grundstückseignern und insbes. auch  durch den Forstbetrieb respektiert. Fälle von Vandalismus oder gezielten Zerstörungen kommen kaum vor.
Die markierte Wegführung stimmt mit den entsprechenden Darstellungen in den Karten zuverlässig überein, so dass die Orientierung basierend allein auf Markierung und Karte zu keinerlei Problemen führt. Da Wanderwege auch in der Gegenrichtung markiert sind, genügt zudem in Zweifelsfällen häufig ein einfacher Blick zurück, um sich des richtigen Weges zu versichern.
Unüberwindliche Sprachprobleme gab es nicht. Einmal identifiziert als Ausländer bzw. Deutscher versuchte man nicht selten, uns durch Wechsel ins Deutsche ( ältere Leute ) oder Englisch (  jüngere ) entgegen zu kommen. Hundehaltung ist in Böhmen offenbar weit verbreitet. Meistens auf eingezäunten Grundstücken gehalten machen sich die Wachhunde häufig lautstark bemerkbar.   
 
C. Kartenmaterial
 
1. Für das Stadtgebiet Prag den „ Cityplan „ des ADAC im Maßstab 1:20.000. Auf dieser relativ großformatigen Karte sind alle Straßennamen gut lesbar eingetragen. Die Darstellung reicht bis in den südöstlichen Vorort Radotin, über den die Stadt verlassen wird.
 
2. Für die Strecke außerhalb von Prag bis zur Grenze benötigt man insgesamt 5 Wanderkarten des Tschechischen Touristenklubs KCT im Maßstab 1:50:000 ( Edice Turistickych Map 1:50.000 ), erhältlich z.B. über den Spezialverlag freytag & berndt. Es handelt sich um die Karten mit den Nummern ( fortschreitend von Ost nach West ) 36, 38, 35, 64, 63.
 
D. Streckenverlauf
 
1. Tag: Prag – Radotin ( ca. 15 km )
 
Jakobspilger starten vielleicht bei St. Jakob in der Altstadt, passieren nach wenigen Gehminuten die Teynkirche, überqueren den Altstädter Rathausplatz und gehen durch die Karlova Ulice zur historischen Karlsbrücke, um dort die Moldau zur Kleinseite hin zu überschreiten. Vorbei an der Dientzenhofer – Kirche St. Niklas geht man hinauf zum Prämonstratenserkloster Strahov.
Von dort wendet man sich entlang der parkartig gestalteten Höhenkante in Richtung Süden, vorbei am Aussichtsturm, der Kapelle St. Martin, einem Observatorium sowie an umfangreichen Sportanlagen. Dann sucht man sich mittels Stadtplan einen Weg hinunter ins Tal zur Bushaltestelle Klamovka und hinüber zum Stadtteil Kosire. Nahe der Metrohaltestelle Jinonice ( auch direkt erreichbar mittels U-Bahn aus der Innenstadt ) trifft man auf die gelbe Markierung eines Wanderweges, der dort seinen Anfang nimmt und entlang eines felsigen Talabbruches ( Naturschutzgebiet ) aus der Stadt hinaus führt. Schließlich weist die Markierung steil ins Tal hinab, wo eine blaue Markierung auftaucht, der man nach rechts zum kleinen Dorf  Holyne folgt. Hügelauf geht es immer der blauen Markierung nach zum Dorf Slivenec und wieder hinunter nach Velka Chuchle. Von dort geht man entlang der Radotinska Ulice nach Radotin ( auch mit Bahn oder Bus aus Prag heraus erreichbar ).

2. Tag: Radotin – Karlstejn ( ca. 16 km )
In der Ortsmitte von Radotin trifft man auf die aus dem benachbarten  Zbraslav ( zwischen Berounka und Moldau gelegen ) kommende rote Markierung, der man nach Westen auf dem Hochufer des Berounka – Flusses bis nach Karlstejn mit seiner berühmten Burg Karl’ IV. folgt. Dabei bewegt man sich auf einer Strecke, auf der gleichzeitig auch der Europafernwanderweg E 10 verläuft und die in der Karte bereits als Svatojakubska Cesta ( Jakobsweg ! ) bezeichnet ist.
3. Tag: Karlstejn – ( Mnisek pod Brdy ) – Dobris ( ca. 22 km )
Man verlässt Karlstejn auf einer gelben Markierung ( gleichzeitig E 10 ) in Richtung Süden und überquert die Berounka hinüber nach Zad. Treban. Bei der Ortschaft Halouny folgt man zuerst bergauf der blauen Markierung. Etwa 1,5 km hinter Halouny, in der Nähe des Teiches Jezirko und einer etwas obskuren Hüttensiedlung, wo man auf die gelbe Markierung treffen sollte, wurden die Markierungen rund um die Bergkuppe systematisch gelöscht! Anhand der Karte kann man sich jedoch den Weiterweg leicht selbst erschliessen ( genau in Richtung Süden bzw. vom höchsten Punkt aus gesehen halbrechts haltend ). Nach wenigen Metern taucht die gelbe Markierung tatsächlich wieder auf. Sie führt weiter zur roten Markierung in Richtung Kytin ( wer an diesem Punkt der roten Markierung in die Gegenrichtung nach Nordosten folgt, erreicht nach kurzer Strecke beim Höhenheiligtum Skalka das nahe Mnisek pod Brdy mit seiner Jakobskirche, welches Tagesziel der Direktvariante ist – siehe unten ). Hinter Kytin stößt man schließlich auf eine blaue Markierung, die einen auf schönen Waldstrecken und ohne grosse Höhenunterschiede zum Tagesziel Dobris bringt. Durch diese Stadt führte einst der Goldene Steig in Richtung Bayern.

4. Tag: Dobris – Pribram ( ca. 14 km )
In Dobris trennt man sich vom E 10, der weiter nach Südosten zieht, während der Jakobspilger seiner Generalrichtung Südwest treu bleibt. Man verlässt die Stadt ohne Markierung auf der Ortsverbindungsstraße nach Rosovice, welches man nach 5 km erreicht. Dort beginnt an der Bushaltestelle eine blaue Markierung, der man über Holsiny und Bukova folgt. Nach dem Wiedereintritt in den Wald trifft man auf eine grüne Markierung, entlang der man bequem nach Süden bis nach Pribram geht. Man betritt das Stadtzentrum bei der Kirche St. Jakob.
Die ehemalige Bergbaustadt ist überragt vom Svata Hora ( Heiligen Berg ) mit seinem Marienheiligtum, dem ehemals bedeutendsten in Tschechien.
5. Tag: Pribram – Rozmital ( ca. 15 km )
Man kann Pribram verlassen entweder entlang der gelben Markierung über den Heiligen Berg oder kürzer mitten durch die Stadt entlang der Straße Nr. 18 ( Richtung Rozmital ). Im Vorort Vysoka Pec treffen diese gelbe Markierung und die Straße wieder zusammen. Von hier ab folgt der Jakobspilger der blauen Markierung nach links durch den Wald nach Rozmital pod Tremsinem. Rozmital ist eine pittoreske kleine Stadt mit mittelalterlicher Burg.
In Rozmital steht das Wohnhaus von Jakub Jan Ryba, eines Mozart – Zeitgenossen, dem Komponisten der berühmten und geschätzten „tschechischen Weihnachtsmesse“.
6. Tag: Rozmital – Kasejovice ( ca. 25 km )
An diesem Tag steht die Durchquerung des landschaftlich sehr schönen Prirodny Park Tremsin ( Naturpark ) mit dem Berg Tremsin ( 827 m ) als höchstem Punkt an. Aus Rozmital heraus ( Blick auf die Kirche von Alt-Rozmital ) führt eine rote Markierung zum Tremsin mit seiner Burgruine.
Bei der Kapelle gleich nach dem Erreichen des Gipfelplateaus wechselt man auf die blaue Markierung über, die einen zuerst über den Burghügel hinunter und dann weiter durch grosse Wälder hinaus nach Stary Smolivec führt. Durch das folgende grosse Teichgebiet gelangt man auf der blauen Markierung bleibend endlich nach Kasejovice mit seiner Jakobskirche.

Beim letzten dieser Teiche mit Namen Ujezdsky Ryb kann man auf der Ortsverbindungsstrasse nach links in Richtung Lnare abbiegen ( dort Schlosshotel und ein weiteres einfacheres Hotel ). Der nächste Tag beginnt dann jedoch mit einem 4 km langen Anmarsch nach Kasejovice auf einer roten Markierung.
7. Tag: Kasejovice – Nepomuk ( ca. 15 km )
Die rote Markierung führt durch Kasejovice hindurch und bringt den Pilger nach Nepomuk, dem Geburtsort des Hl. Johannes Nepomuk. Der touristisch erschlossene Ort wird durch zwei Kirchen dominiert: die an der Stelle des Geburtshauses des Ortsheiligen errichtete barocke Kirche am großen Stadtplatz sowie die gotische Kirche St. Jakob. Von Ferne grüßt zudem von einem Hügel die Marien - Wallfahrtskirche Zelena Hora ( Grünberg ).
8. Tag: Nepomuk – Klatovy ( ca. 33 km )
Von Nepomuk aus wendet man sich zuerst auf der roten Markierung nach Süden, um auf schönen Waldwegen den Prirodny Park Planicky Hreben Kakov ( Naturpark ) bis nach Planice zu durchqueren. In Planice dreht die Wegrichtung auf gelber Markierung endgültig nach Westen, um durch schöne Waldgebiete und über den Barak ( 706 m ) schließlich Klatovy ( Klattau ) zu erreichen. Die Stadt ist eine Gründung von Fernhändlern am Weg nach Bayern. Sie war einst ein wichtiger Stützpunkt des radikalen Flügels der Hussiten.
9. Tag: Klatovy – Kdyne ( ca. 22 km )
Man verlässt Klatovy nach Westen auf einer roten Markierung. In der Nähe des Bahnhofs trifft man auf eine grüne und eine blaue Markierung und hat damit zwei Optionen, um nach Kdyne ( Gedein ) zu gelangen. Entweder auf der blauen Route, die über Bezdekov hinaus nach Westen führt. Oder die über Tajanov aus der Stadt hinausführende, einsamere grüne, die aber ziemlich anspruchsvoll ist, da sie am Ende über den 773 m hohen Korab ( Gipfelrestaurant des KCT ) führt. Wer den steilen Abstieg hinunter nach Kdyne auf der gelben Markierung scheut, sollte besser von Klatovy aus die blau markierte Alternativroute nehmen.
Durch Gedein führte der uralte Handelsweg hinaus nach Eschlkam und Neukirchen b. Hl. Blut.
10. Tag: Kdyne – Grenzübergang Vseruby/ Eschlkam ( ca. 8 km )
Auch aus Kdyne hinaus in Richtung Grenze kann man zwischen zwei Optionen wählen: der direkteren gelben Route über den Cepice ( 642 m ), auf welcher zugleich der Europafernwanderweg E 6 verläuft, oder die etwas bequemere grüne, aber längere über Nova Ves. Von dort geht es einer roten Markierung folgend auf den Raj, wo man wieder auf die gelbe Markierung und den E 6 stößt. Aus dem Wald heraustretend sieht man plötzlich in der Ferne die vertraute Silhouette des Hohen Bogen und davor klein, aber deutlich, den weißen Kirchturm von St. Jakob in Eschlkam.

Hinunter nach Hajek und endlich zur Grenze bei Vseruby geht es über die leider verschlossene Wallfahrtskirche von Tannaberk ( Annaberg ). Hier stand einstmals sogar eine Pilgerherberge.
Am Grenzübergang hat auf der bayerischen Seite die Marktgemeinde Eschlkam einen Findling aus Osser - Gneis mit der Inschrift „ Santiago de Compostela 2825 km „ aufgestellt.

Hier beginnt also der » Ostbayerische Jakobsweg.

Direkte Variante:

2. Tag: Radotin – Zbraslav – Mnisek pod Brdy ( ca. 25 km )

Wem wenig Zeit für die Strecke Prag – Vseruby/ Eschlkam zur Verfügung steht, kann 2 Tage dadurch einsparen, dass er von Radotin ausgehend statt nach Karlstejn in die Gegenrichtung hinüber nach Zbraslav geht ( 4 km ) und von dessen südlichem Ortsende Bane´ aus ( Haltestelle einer Buslinie aus/ nach Prag ! ) der roten Markierung direkt nach Mnisek pod Brdy folgt. Der Weg führt ohne große Höhenunterschiede meistens durch Wald. An einer Stelle hat man einen letzten Tiefblick auf die Moldau. Vom Höhenwallfahrtsort Skalka mit der Kapelle von Christoph Dientzenhofer führt schließlich eine grüne Markierung steil hinunter nach Mnisek. Die dortige Festung diente im Mittelalter der Bewachung des Goldenen Steiges nach Bayern.

3. Tag: Mnisek pod Brdy – Pribram ( ca. 35 km )

Wo in Mnisek am Stadtplatz die grüne Markierung endet, beginnt eine blaue, der man hinaus nach Chouzava folgt. Hinter dieser Ortschaft treffen der von Karlstejn herüberkommende E 10 sowie die rote Markierung mit der blauen zusammen und gehen als Blau weiter nach Dobris. Damit ist die Verbindung zur längeren Variante ( siehe auch oben 3. Tag ) hergestellt.

E. Radstrecke:

Am 11. Juni 2005 wurde in Pilsen eine neue Radstrecke Prag – Pilsen – Regensburg eröffnet. Über den Tourismusverband Ostbayern e. V. , Luitpoldstr. 20, 93047 Regensburg , ist ein zweisprachiges Faltblatt mit einer kurzen Routenbeschreibung erhältlich: „ Cyclotrasa Praha – Plzen – Regensburg „ bzw. „ Radweg Regensburg – Pilsen – Prag „. Die Route trifft auf der bayerischen Seite der Grenze in Furth i. Wald auf den Ostbayerischen Jakobsweg für Radpilger.

F. Kontakte und Links

Im übrigen muss vorläufig weiter auf das tschechische Tourismusbüro in Berlin sowie auf den KCT verwiesen werden:

Tschechische Zentrale für Tourismus-Czech Tourism
Friedrichstr. 206
10969 Berlin - Kreuzberg
http://www.czechtourism.com
E-Mail
Tel./Fax: +49 (0)30/ 20 44 770

Tschechischer Touristenklub Prag
Email