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Pilgern im Zeichen der Muschel
Bischöfe weihen Teilstück des Jakobsweges von Fulda bis an den Main ein/Ziel: Finisterre in Spanien
Schlüchtern - Niederzell (hs). Um 10.30 Uhr am Samstagmorgen waren sie in der katholischen Kirche St. Goar in Flieden gestartet: Etwa 100 Pilger, die sich auf dem Teilstück des Jakobswegs, das von Fulda an den Main führt, auf den Weg gemacht hatten. Ihr Ziel: die evangelische Petrus-Lotichius-Kirche in Schlüchtern-Niederzell. Rund 20 Bläser des Bläserchores des Kirchenkreises Schlüchtern unter der Leitung von Detlef Steffan begrüßten die Wanderer vor der Kirche musikalisch. Anschließend wurde das Teilstück des Jakobswegs feierlich eröffnet.
Die Pilger wandelten hierbei auf alten Pfaden. Denn diese Tradition ist fast 1000 Jahre alt und wurde gerade im Mittelalter sehr gepflegt. Die Pilgerreise führte die Gläubigen nach Santiago de Compostela in Spanien. Der Überlieferung nach soll hier der Apostel Jakobus begraben sein. Aus allen Richtungen pilgern die Menschen seit alters her zu diesem Grab, wobei gerade in den vergangenen Jahren diese Tradition enormen Aufschwung erfahren hat. Gerade auch, weil der Jakobsweg als erster Europäischer Kulturweg anerkannt wurde, und ehrenamtlichen Streckenpaten diesen markiert haben.
Das Zeichen der Pilger ist seit der Anfangszeit des Weges her die Jakobsmuschel. Es ist Brauch den Pilgergang über Compostela hinaus bis zum Cap Finisterre auszudehnen. Hier am Meer sammelten die Pilger die Jakobsmuschel und trugen sie nun nach vollendeter Pilgerfahrt am Hut oder am Gürtel.
Die Jakobsmuschel ist auch das Zeichen der heutigen Jakobswege. Wobei die Strahlen der stilisierten Jakobsmuschel für die einzelnen Jakobswege stehen, die aus ganz Europa führen und ein Ziel haben: Santiago de Compostela. Dabei zeigt das Schloss der Muschel immer nach Compostela, erklärte ein Streckenpate.
Das Teilstück von der Fulda bis zum Main wurde nun in Niederzell nach Ankunft der Pilger mit einem feierlichen Gottesdienst eröffnet.
Diesen gestalteten der Bischof Prof. Dr. Martin Hein aus Kassel und der Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez aus Fulda, sowie der Dekan des Kirchenkreises, Fritz-Eckhard Schmidt, und Pfarrer Dr. Lech Kowalewski aus Schlüchtern.
Zuvor begrüßte der erste Kreisbeigeordnete Günter Frenz die Pilger und freute sich, dass ein Teilstück des Jakobsweges mit der schönen Landschaft des Main-Kinzig-Kreises verbunden sei.
Der Weihbischof des Bistums Fulda, Karlheinz Diez, sprach von einem „ganz großen ökumenischen Hoffnungszeichen“. Schließlich ist der Jakobsweg konfessionsübergreifend. Er appellierte an die Gläubigen auch „lebendige Wegweiser“ dieses Pilgerweges zu sein, und betonte, dass Pilgern mehr sein müsse als Tourismus. Und auf dieser Pilgerreise, so der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, komme der Mensch „zu sich selbst, zu anderen und zu Gott!“
Der Pilgerweg orientiert sich zwischen Fulda und Frankfurt an dem historischen Fernhandelsweg Leipzig – Frankfurt („Des Reiches Straße“) und ist ein Abschnitt auf der sogenannten „Via Regia“, einer alten Kulturstraße Europas, die von der Ukraine bis nach Spanien führte.
Im Norden wird der Weg an den Jakobsweg über Vacha an den Ökumenischen Pilgerweg nach Görlitz angeschlossen. Über Mainz und Trier knüpft der Pilgerweg im Westen gleichzeitig an die europäische Streckenführung in Richtung Frankreich und Galizien an.
Der Weg selbst präsentiert sich mit einer abwechslungsreichen Streckenführung. Vom beschaulichen Fuldaer Land mit seinen Bildstöcken und Feldkreuzen über den sogenannten „Distelrasen“ bei Schlüchtern mit den Ausläufern des Spessarts führt der Jakobsweg durch das Kinzigtal mit seinen Heilbädern und Erholungsorten.
Schlösser und Burgen säumen den Weg und zeugen von einer lebendigen Vergangenheit.
Pilger, die den Weg unter die Füße nehmen wollen, werden sich über die aktuelle Karte zum Jakobsweg freuen, die der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zur Eröffnung herausgab und die Klaus-Peter Güttler vom RMV im Anschluss an die Einweihung verteilte.
Übrigens ist dieses Jahr wieder ein „Heiliges Compostelanisches Jahr“, da der Festtag des Heiligen Jakobus, der 25.Juli, auf einen Sonntag fällt. So werden sich besonders in diesem Jahr viele Pilger auf die Reise nach Santiago de Compostela machen.
Holger Senzel, GNZ vom 10. Mai 2010