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von Walter Töpner
Übersicht über die Jakobsstraßen in Frankreich
(aus: Mandach, André de, A fresh Approach to the „Pilgrim’s
Guide to the Way of St. James of Compostela)
Erklärung:
I = Route von Arles ; II = Route von Le Puy;
III = Route von Perigeux mit späterer Verlängerung (IIIa) bis Vézelay;
IV = Route von Tours;
Wegverlauf
Streckentelegramm:
Vézelay » Pierre-Perthuis » Corbigny » Prémery » St. Réverien » Poiseux » Guerigny » Urzy
Nevers » Chârenton-du-Cher » St. Amand-Montrond » Chateaumeillant » Le Châtelet »
La Châtre » Neuvy St. Sépulcre » Cluis » Gargilesse-Dampierre » Éguzon »
La Souterraine » St. Léonard-de-Noblat » Limoges » Solignac » St. Yrieix » Thiviers »
St. Jean-de-Côle » Périgeux » Duras » La Réole » Roquefort » Mont-de-Marsan »
St. Sever » Haguetmau » Orthez » La Sauveterre-de-Béarne » St. Palais »
St. Jean-le-Vieux » St. Jean-Pied-de-Port » Roncesvalles.
(Weglänge insgesamt 978 km)
Diese Jakobswegroute führte an den Heiligtümern und Gräbern berühmter Heiliger vorbei, die sich an ihm wie an einer Kette aufreihten und selbst berühmte Wallfahrtsorte waren. Für die Pilger war es eine spirituelle Reise von Gnadenort zu Gnadenort und somit eine Pflicht, diese geistigen Wegmarken aufzusuchen und dort für ihr körperliches und seelisches Heil zu bitten.
Der Vézelay-Weg verzweigt sich an mehren Stellen: In seinem nördlichen Teil teilte sich der Weg hinter Vézelay in zwei Varianten auf: Die sog. Nordroute (Le Chemin Berrichon) führte über die über La Charité-sur-Loire nach Bourges, die zweite war die nachstehend beschriebene Südroute über Nevers (Le Grand Chemin Royal). Beide Wege vereinigten sich wieder bei Éguzon hinter der Festung Crozant, die den Übergang an der Creuse kontrollierte, und von da ab führte ein gemeinsamer Abschnitt die Pilger in die Stadt La Souterraine.
Die Südroute führte die Pilger von Vézelay über Nevers durch die Landschaft der monotonen Hochfläche des Berry zu den Klöstern von St. Pierre, der Zisterzienserabtei Noirlac und der Stadt St. Amand-Montrond (mit dem Grab von Peter dem Pilger). Ein besonderer Anziehungspunkt muss für die Pilger die von zurückkehrenden Kreuzfahrern nach dem Vorbild der Jerusalemer Heilig-Grabkirche erbaute Kirche von Neuvy-St. Sépulcre mit ihrer Heilig-Blut-Reliquie gewesen sein, bis sie schließlich über Gargilesse (Ruinen eines ehem. Pilgerhospizes) den Etappenort La Souterraine (der „Unterirdischen“, benannt nach der von den Pilgern aufgesuchten Krypta) erreichten. Hinter La Souterraine erfolgte dann eine weitere Verzweigung der Via Lemovicensis: der eine (Um-) Weg führte nach Osten zur Abtei von Bénévent, (Reliquie des hl. Bartholomäus), von dort konnten die Pilger über einen Nebenweg zu den Heiligtümern von Rocamadour und Cadouin gelangen. Oder sie blieben auf dem Hauptweg und gingen von Lauriere nach St. Léonard-de-Noblat, wo sie das Grab des hl. Leonhard aufsuchten (daher wird diese gesamte Route auch „Strasse des hl. Leonhard“ geannt). Der für das Limousin typische, reich geschmückte Kirchturm ragt wie ein Zeigefinger Gottes in der Landschaft empor und ist ein weithin sichtbarer Orientierungs- und Anziehungspunkt für die Pilger gewesen.
Von St. Léonard-de-Noblat zogen die Pilger durch die Landschaft des Limousin weiter nach der Stadt Limoges zu den Überresten des Bekenners und Heiligen Martial; von dort gingen viele auf einer Nebenroute zum nahegelegenen Ort Solignac, wo der hl. Eligius (St. Eloi) gewirkt und ein Kloster gegründet hat. Das nächste große Ziel war dann die Stadt Perigeux mit dem Grab des hl. Frontus, der als Apostelschüler des hl. Petrus verehrt wurde. Hinter Périgeux teilte sich der Weg in drei Varianten auf (siehe unten). Die nächsten wichtigen Wegmarken waren für die Pilger jetzt die Städte La Réole und Bazas, wo eine Reliquie des Johannes des Täufers verehrt wurde. Ihr nächstes Ziel nach Durchquerung des Landes war das Kloster St. Severs im Vorpyrenäengebiet, wo sie in der Abtei das Grab des hl. Severinus aufsuchten, der hier im Auftrag des Papstes als Missionar gegen die Verbreitung des Arianismus gewirkt hat und von den Vandalen 407 enthauptet wurde. Über Orthez und La Sauveterre-de-Béarne erreichten sie schließlich in den Orten St. Palais und Ostabat die wichtigsten Sammlungspunkte vor der Überquerung der Pyrenäen. Zwischen diesen beiden Orten vereinigen sich die drei Hauptwege von Frankreich an einem einzigen Punkt, Gibraltar genannt, zusammen. Schließlich standen sie bei St. Jean-Pied-de-Port am Fuße der Pyrenäen und folgten der alten Römerstraße, hinauf zum ersten Pyrenäenpaß, hinter dem das Kloster Roncesvalles liegt. Dahinter beginnt der spanische Teil des Jakobsweges (Camino de Santiago).
Besondere Herausforderungen stellten für die Pilger auf dem Vézelay-Weg die Überquerungen der breiten Flüsse Dordogne und Garonne dar. Hinter der Stadt La Réole erwartete sie dann eine weitere schwere Prüfung: Die Durchquerung des von den Pilgern gefürchteten sandigen, wasser- und baumlosen Ödlandes, das heute bewaldet ist und als Les Landes bezeichnet wird. Dann standen sie an den Ufern des wilden Gebirgsflusses Ardour, den sie überqueren mussten. Mit Beklemmung sahen sie in der Ferne die mächtigen Gebirgsmassen der Pyrenäen vor sich aufragen, die zu übersteigen waren, das letzte große Hindernis vor Erreichen der spanischen Strecke, dem camino frances bis Santiago. Für den heutigen Pilger, der zu Fuß auf dem alten Pilgerpfad unterwegs ist, sind diese „Schrecken der Pilger“ auch heute noch nachvollziehbar, hat sich doch an der ab St. Jean-Pied-de-Port zu bewältigenden Bergstrecke nichts verändert.
Für die heutigen Pilger aus Franken kann durch die neue von Prag über Tillyschanz, Nürnberg nach Rothenburg führende Route in ihrer Ost-West-Fortsetzung nach Speyer und Metz eine Verbindung mit dem Vézelay-Weg hergestellt werden. Diese Vézelay-Route in Frankreich ist auch für Fahrradpilger interessant, weil sie größere Bergstrecken vermeidet und meist auf befestigten Nebenstraßen führt.
Der Pilgerführer „Wege der Jakobspilger (Band 2) – Rheinland-Eifel-Lothringen- Burgund (Paulinus Verlag, Trier) von Walter Töpner beschreibt den Wegabschnitt von Köln bis nach Vézelay. Die Angaben zum Vézelay-Weg bis Roncesvalles wurden dem 2007 erscheinenden Führer „Wege der Jakobspilger (Band 3) – Burgund-Berry-Limousin-Périgord-Landes-Pyrenäen“ (Paulinus Verlag, Trier) von Walter Töpner entnommen.